Ausländerbeirat feiert 50-jähriges Jubiläum

Der Mühlheimer Ausländerbeirat wurde 1976 gegründet und zählt damit zu den ältesten Gremien dieser Art in Hessen. Seit fünf Jahrzehnten setzt sich der Beirat für die politische Teilhabe von Migrantinnen und Migranten in der Mühlenstadt ein und schlägt Brücken zwischen der ausländischen Bevölkerung, der Kommunalpolitik und der Stadtverwaltung. Er bringt seine Expertise in die Kommunalpolitik ein und setzt sich für die Verbesserung der Lebenssituation der Migrantinnen und Migranten ein.

In ihrer Begrüßungsrede betonte die Vorsitzende Ester Gjorek, dass der Mühlheimer Ausländerbeirat durch vielfältige Initiativen und Veranstaltungen seit Jahrzehnten dazu beiträgt, das gegenseitige Verständnis und den interkulturellen Austausch in Mühlheim zu fördern. Von interkulturellen Festen über Bildungsprojekte bis hin zu Beratungsangeboten – das Gremium hat in den fünf Jahrzehnten zahlreiche Aktivitäten ins Leben gerufen, um die Integration und Teilhabe der ausländischen Bevölkerung in der Stadt zu fördern. Sie versicherte gleichzeitig, dass sich die Mitglieder weiterhin für Mühlheim engagieren möchten und auch künftig auf die Kooperation, Unterstützung und konstruktive Begleitung seitens der Kommunalpolitik und der Zivilgesellschaft zählen.

Die Festrednerin Katrin Hechler, Staatssekretärin im Hessischen Ministerium für Arbeit, Integration, Jugend und Soziales, der Stadtverordnetenvorsteher Marius Schwabe, Bürgermeister Dr. Alexander Krey und Landrat Oliver Quilling würdigten das fünf Jahrzehnte lange ehrenamtliche Engagement der ehemaligen und aktuellen Mitglieder und hoben die Bedeutung des Ausländerbeirates als wichtigen Bestandteil des demokratischen Systems und der gelebten Demokratie in Mühlheim hervor.

Im anschließenden kurzweiligen Gespräch mit ehemaligen Vorsitzenden erinnerten Hort Lehr, Franco Marincola und Hüsamettin Eryilmaz an die Gründung des Beirates und die Anfangsjahre, in denen Beratung und Unterstützung der ausländischen Mitbürgerinnen und Mitbürger zu Themen wie Wohnungswesen, Schulwesen und Bildung, soziale und berufliche Förderung sowie Freizeitgestaltung im Mittelpunkt der Arbeit des Gremiums standen. In den späteren Jahren kamen weitere Themen hinzu, wie etwa die Intensivierung der Kontakte zu den örtlichen Vereinen und das kommunale Wahlrecht für Ausländerinnen und Ausländer. Geblieben ist bis heute der Einsatz gegen Diskriminierung, Rassismus und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit.

Das 50-jährige Jubiläum war nicht nur ein Anlass zurückzuschauen, sondern auch ein wichtiger Moment des Nachdenkens und Ausblicks auf die zukünftigen Herausforderungen. Enis Gülegen, der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft der Ausländerbeiräte Hessen (agah), wies darauf hin, dass Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit die größte Bedrohung für die Demokratie in Deutschland seien. Diskussionen über Massenabschiebungen und Konzepte wie „Remigration“ verstärken bei Menschen mit Migrationsgeschichte, zunehmend auch bei jungen Menschen, das Gefühl, in der Gesellschaft nicht dauerhaft sicher und willkommen zu sein. Im Einsatz für eine offene Gesellschaft, in der Vielfalt als Bereicherung betrachtet wird, sieht Gülegen die wichtigste Herausforderung des Ausländerbeirates in der Zukunft.

Für die musikalische Umrahmung der Veranstaltung sorgte Florian Mann, Musiklehrer der Mühlheimeier Musikschule.

Im Foyer des Rathauses erinnert eine kleine Ausstellung mit Zeitungsartikeln aus den vergangenen fünfzig Jahren an die lebendige Geschichte des Gremiums und dessen Engagement und kann bis 6. November zu Öffnungszeiten des Rathauses besichtigt werden.