Trotz wiedriger Wetterbedingungen fanden zahlreiche Mühlheimerinnen und Mühlheimer den Weg in die Mühlheimer Altstadt und gedachten dem 9. November 1938, als Propagandaminister Joseph Goebbels im Alten Rathaussaal in München vor Funktionären der NSDAP eine Hetzrede hielt, mit der er den reichsweiten Pogrom auslöste und dies mit einem Mordanschlag auf einen Deutschen Diplomaten in Paris fadenscheinig begründete.
Die anwesenden Parteivertreter begannen sofort, ihre Untergebenen im Deutschen Reich zu informieren. Sie erließen Anordnungen, in allen deutschen Städten gewaltsam gegen jüdische Bürger, deren Häuser, Geschäfte und Synagogen vorzugehen. In der Folge liefen überall im Reich Gewalttaten an.
Mühlheim hatte an diesem Tag die ersten 7, in der Folge nach Buchenwald verschleppten, Opfer des Pogroms zu beklagen: Moritz Appel, Bernhard Appel, Paul Fritz, Hermann Stern, Ludwig Wolf, Joseph Wolf und Leopold Isaak.
Diese wurden verhaftet und, bis zu Ihrer Überführung am nächsten Tag ins Konzentrationslager Buchenwald, im Wachthäuschen in der Marktstraße gefangen gehalten.
Ein ehemaliger Lehrer des Friedrich-Ebert-Gymnasium, H.C. Schneider, fasste die Geschehnisse dieser Nacht und der ersten 7 Mühlheimer Opfer in einem Gedicht zusammen:
Altes Wachthaus
Wer hier die Nacht verbracht
kam morgens nicht zurück
der kam nach Buchenwald
wer von dort zurückkam
ging nach Nordamerika
nach Südamerika
nach Australien
nach Auschwitz
in den Wind
