Auf den Tag genau 81 Jahre, nachdem Müller und seine Mitstreiter Wendelin Kadner, Wilhelm Wießmann, Wilhelm Karl Glock und Engelhardt Beetz von SS-Leuten niedergeschossen wurden, ehrt das Bündnis sie in Zusammenarbeit mit der Stadt Mühlheim mit eigenen Stolpersteinen an den Orten, an denen die fünf Männer gewohnt haben.
Eine würdevolle Ehrung
Seinen Ausgang nahm die Zeremonie am Stadtmuseum, dem ehemaligen Rathaus Mühlheims, wo sich das Verbrechen seinerzeit ereignete. An der Gedenkstele der Opfer und Verfolgten der Unrechtssysteme wurde ein Blumenarrangement niedergelegt. Im Beisein von Bürgermeister Dr. Alexander Krey und zahlreichen Gästen gedachte das Bündnis der Verfolgten.

Im Anschluss besuchte die Gruppe die Straßen, in denen die Widerständler zur Zeit des Angriffs gelebt hatten. Von der Lämmerspieler Straße ging es zur Heinestraße und schließlich in die Pfarrgasse. Ehrenamtliche des Bündnisses sprachen ein paar Worte über das Leben und Engagement der fünf Männer. Bei mehreren der Verlegungen waren Angehörige anwesend und legten Rosen auf den Stolpersteinen ihrer verstorbenen Familienmitglieder ab.
Teils lagen bereits Stolpersteine anderer Ermordeter und Verfolgter an den jeweiligen Stellen. Mit den neuen Stolpersteinen werden weitere politisch Verfolge zu Zeiten des NS-Regimes geehrt.
„Ich danke dem Bündnis Bunt statt braun herzlich für die Anregung und Vorbereitung dieses wichtigen Termins. Das Team hat viele Stunden in den Staatsarchiven in Wiesbaden und Darmstadt nachgeforscht, Angehörige befragt und so einige interessante Informationen und Hintergründe zu den Opfern des Anschlags zusammengetragen. Dass es einen Verräter gab, wissen wir dank der unermüdlichen Fleißarbeit der Mitglieder des Bündnisses. Ihnen ist zu verdanken, dass ein weiteres Puzzleteil ins Gesamtbild der Geschichte unserer Stadt eingefügt werden konnte“, sagt Bürgermeister Dr. Alexander Krey.
Was am 26. März 1945 geschah
Richard Müller war, wie auch seine Mitstreiter, gegen den Krieg und das nationalsozialistische Regime. Er setzte sich mit Wendelin Kadner, Wilhelm Wießmann, Wilhelm Karl Glock und Engelhardt Beetz am Ende des Zweiten Weltkriegs für eine friedliche Übergabe Mühlheims an die alliierten Streitkräfte ein und geriet so in den Blick der SS-Einheiten, die noch in den letzten Monaten des Zweiten Weltkriegs Widerständler gewalttätig unterdrückten und ermordeten.
Wießmann, Beetz, Glock, Kadner und Müller bauten Panzersperren ab, entwaffneten Wehrmachtssoldaten und hissten überall in der Stadt weiße Fahnen. Gemeinsam mit dem Kommunisten Willi Busch wollten sie am 26. März im Rathaus die friedliche Übergabe Mühlheims an die Alliierten vorbereiten, als eine mit Maschinenpistolen bewaffnete Gruppe von SS-Leuten in die Räumlichkeiten eindrang und unvermittelt das Feuer eröffnete. Willi Busch konnte aus dem Fenster fliehen, seine Mitstreiter wurden niedergeschossen.
Wilhelm Wießmann, der einzige Überlebende des Anschlags, starb 1979. Es ist unter anderem seinem Zeitzeugenbericht zu verdanken, dass bekannt wurde, was an dem schicksalhaften Tag im Jahr 1945 geschah.
„Völlig überraschend stürmten etwa gegen 16:00 Uhr SS-Leute, mit Maschinenpistolen bewaffnet, in die Polizeistation. Ohne auch nur ein Wort zu reden, schossen sie auf die im Raum anwesenden Antifaschisten. Ich wurde zuerst am Bein getroffen, bei einer Bewegung nochmals ins Kreuz. Ich stellte mich tot und überlebte den Mordanschlag. Ich erinnere mich, dass später bekannt wurde, dass dieses SS-Kommando mit einem Kahn von Dörnigheim nach Mühlheim gefahren ist.“
